Die goldene Mitte

Ich muss etwas los werden, weil es heute wieder Thema war.

Am ersten Tag des Mädchens außerhalb des Kugelbauches, hat sie die Nacht in meinen Armen in meinem Bett verbracht.

Auch die zweite Nacht bzw. fast den ganzen Tag lag sie in meinen Armen. In ihrem Bettchen lag sie eigentlich nur, wenn ich essen wollte [meistens hielt ich sie auch dann… ].

In der dritten Nacht lag sie nur in ihrem Bett, wenn ich abpumpen musste. Verordnung der Nachtschwester „Viel kuscheln, da sie die Wärme nicht gut hält“.

Als wir nach Hause kamen, war schlechtes Wetter und die Wohnung sehr kalt. Es war August und die Heizungen noch nicht an. Wer hätte damit gerechnet? Wir definitiv nicht.

Was tagsüber tun? Body doppelt tragen und viel kuscheln.

Ihr Schlafsack war noch zu groß. So konnte sie unmöglich nachts in ihrem Bett schlafen.

Und nun?

Instinktiv habe ich sie mit in unser Bett genommen.

Die ersten zwei Monate schlief sie zu 80% auf mir. In dieser Position hatte sie nachts auch kaum Bauchschmerzen und schlief recht gut.

Heute schläft sie noch immer mit in unserem Bett. In der goldenen Mitte. Es wurde zum Familienbett und das Beistellbett steht kaum genutzt neben dem Bett und dient als Ablage. Ab und zu verirrt sich auch einer meiner Körperteile darin.

Ich darf mir von vielen verschiedenen Personen schöne und weniger schöne Kommentare anhören.

„Typisches verzogenes Erzieherkind“

„Du erziehst dein Kind zu einer kleinen Terroristin“

„Wo soll das noch Enden?“

„Die wirst du nie wieder los!“

Aber auch

„Das war bei uns auch so. Ich verstehe das.“

„Irgendwann ist die Zeit vorbei und man vermisst es.“

„Tut, was euch gut tut!“

[Da fällt mir auf: bzgl. Stillen sind es fast die gleichen Kommentare!]

Es geht nun so weit, dass ich manchen nicht das Konzept „Familienbett“ zur Antwort gebe, wenn ich wieder mal gefragt werde, ob sie „in ihrem Bett schon schön durch schläft“.

„Ja, sie schläft. Nicht durch, aber ich kann mich nicht beschweren. Ich werde kaum wach.“

Ich lüge hierbei ja nicht.

Denn UNSER BETT ist IHR BETT. So lange bis sie entscheidet, dass sie nun alleine schlafen will und kann. Wenn sie dann morgens oder mitten in der Nacht doch zu uns ins Bett krabbeln möchte ist das natürlich auch okay.

SO so so viele haben als Kind selbst bei den Eltern geschlafen. Manchmal frage ich sie, warum sie es taten und ob es ihnen gut tat. Die Antworten könnt ihr euch sicher denken. Auch ich habe eine Zeit lang bei meinen Eltern im Bett übernachtet. Manchmal lagen wir zu fünft auf 2m x 2m.

Ich verstehe diese Diskussionen nicht und manchmal macht es mich wirklich müde.

Ich sage ja auch nichts gegen Kinder, die mit wenigen Wochen schon alleine in ihrem Bett in ihrem Zimmer (durch-) schlafen. Wenn es klappt und es allen gut tut, ist das ja völlig in Ordnung.

Zu uns passt dieses Modell aber nicht. Sie sucht nachts häufig Nähe, braucht unseren Geruch, unsere Geräusche [*schnarch* *schnorchel* hihi]…

Und allein diese paar Zentimeter Entfernung vom Beistellbett zu unserem Bett sind ihr anscheinend schon zu viel. Ich schätze es liegt daran, dass sie auch die Nähe zu ihrem Papa sucht. Ohne Papa schläft sie nicht gut ein! Sie dreht sich dann immer wieder zu seiner Bettseite, reißt die Augen auf und quengelt. Wenn er da ist, ist alles okay. Manchmal darf er auch Händchen halten. Wie gut, dass dieser zur gleichen Zeit -auch ein beliebtes Diskussionsthema- schlafen geht. :)

Und leider merkt sie auch jetzt gerade, dass ich nicht mehr im Bett liege. Ich geh mal schnell hin und kuschel mich zu ihr ins Bett. :)

Schlaft gut! Egal wo, egal wie, egal wann.

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7 Gedanken zu “Die goldene Mitte

  1. Genau so.
    Das Julimädchen schlief auch super viel auf mir oder direkt an mir. Wäre unnötiger Stress gewesen ihr das zu verwehren.
    Das Oktoberbaby könnte man wohl auch allein in ein Zimmer legen, aber ich wills nicht. Ich mag sie bei mir haben, weshalb sie auf dem Sofa schläft und ich sie erst ins Beistellbett trage wenn ich schlafen gehe.

    Die kleinen Menschen werden von allein groß und selbstständig. Ich genieße diese Babyzeit. ♥

  2. Du sprichst mir wirklich aus der Seele.
    Ich kenne diese Fragen. Die doofen Blicke und die nervigen Vorwürfe. Besonder großartig ist ja der Satz : „Den wirste ja nie wieder los!“

    Ja! Sehr gut! Genau das möchte ich auch nicht, ihn „loswerden“ Er ist unser Kind! Warum um alles in der Welt sollte ich ihn loswerden wollen?!
    Neulich hatte ich das Thema wieder mit meiner Mama. Wir schliefen als Kinder alle drei bei ihr und Papa im Bett. Und das lange. Ganz ohne als Baby schon darin gelegen zu haben. Das kam einfach so.

    Viele vergessen oder übersehen auch, das es nicht nur die Babys und Kinder sind die bei den Eltern schlafen wollen. Der Mini schlief zum Beispiel allein nicht so gut, aber er schlief.
    Wir Eltern schliefen nicht gut.
    So kam es, das er ebenfalls schnell in die goldene Mitte zog.
    Jetzt schlafen wir alle drei viel besser.

  3. Ich finde ihr macht das genau richtig, nämlich so wie es für euch am Besten ist! Unsere Kleine schläft seit Anfang in ihrem Bett, in ihrem Zimmer, das hat gut funktioniert und wir wollten das so. (das war für uns der richtige Weg, allgemeingültig richtig gibt es nicht) Ich habe sie aber auch in dem Schüben zB zu uns geholt, weil sie da Nähe brauchte, hab mir das gleiche anhören müssen wie du :-)

  4. Ja, das ist bei uns auch so. Im Beistellbett schläft sie eigentlich nur bis zum ersten Wachwerden, wenn überhaupt. Wir haben halt ein Wasserbett – zwar beruhigt (es schwappt also nicht), aber man sollte ja nicht unbedingt ein Baby mit reinnehmen. Der Keks schläft auch nur gut, wenn beide da sind. Hab ich gemerkt als der Herzmann auf Schulung war und ich hier eine Woche lang den totalen Ausnahmezustand hatte.

    Gestern beim Einkaufen sprach uns übrigens an der Kasse so ne ältere Frau an, weil mein Mann den schlafenden Keks auf dem Arm trug während ich den Wagen fuhr und einkaufte. „Wie alt ist denn der kleine Mensch?“ – „11 Wochen.“ – „Und wird so verwöhnt!“ Da bin ich dann halb ausgerastet und hab sie gefragt ob sie denn als Kind nicht getragen wurde, und dass wir den Keks schließlich nicht schlafend im Auto lassen wollten und wie sie überhaupt dazu käme, zu beurteilen was für ein 11 Wochen altes Baby verwöhnen sei und was nicht. Die murmelte irgendwas von ihre Tochter sei Hebamme und sie hätt das ja nicht so gemeint, hat bezahlt und ist dann schnell weg. Da bekomme ich echt puls! Genau wie beim Thema Tragen. -.-

  5. Sehr richtig!
    Wir praktizieren auch das Modell „Familienbett“ – und das sogar inklusive Katze … im vornherein hatte ich das nicht so vorgehabt, aber es hat sich so ergeben, dass unsere Tochter ab ihrem ersten Tag eben bei uns im Bett schläft. Auch für uns war das Beistellbett eher ein erwarteter Nachttisch, die Katze schlief häufiger darin als das Baby.

    Ich kann allerdings nicht von gerümpften Nasen und schrrägen Sprüchen dazu berichten – zumindest nicht mir gegenüber. Unser Umfeld ist da ganz frei in ihrem Denken und macht uns keinerlei Vorwürfe oder ungefragter Vorschläge.

    Unsere Tochter ist jetzt ein halbes Jahr alt und schläft seit drei Monaten (meist) die erste Hälfte der Nacht in ihrem eigenen Bett. Wenn sie aufwacht und weint, holen wir sie zu uns. Und manchmal liegen wir auch um zehn Uhr im Bett und warten nur darauf, dass sie erwacht. Einfach weil wir ihre Nähe vermissen. Und es gibt doch nichts schöneres, als von einem fröhlich glucksenden Kind geweckt zu werden. Auch wenn es kurz nach vier ist ;)

  6. Wir praktizieren das Modell Familienbett. Weil es gut für unsere Kinder ist ( und uns Eltern auch gut tut) und ich glaube nicht, dass unsere Mädchen noch mit 18 bei uns im Bett liegen werden. Falls doch, werden wir Eltern dann als verhüterli agieren dürfen ;-)

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